Forschungszentrum Karlsruhe - Wissenschaftliche Berichte - FZKA 7456
Partikelexpositionen
von Zellkulturen: Untersuchungen zur Rolle von Lipidmediatoren bei der inflammatorischen
Antwort
Susanne Fritsch-Decker
Zusammenfassung
Zahlreiche
epidemiologische Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der akuten
Belastung mit Feinstaub (PM) und dem Auftreten von Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
sowie ansteigenden Sterblichkeitsraten. Die dabei zugrunde liegenden biologischen
Wirkungen und die molekularen Mechanismen sind bis heute aber noch
weitestgehend ungeklärt.
Das Ziel dieser in vitro Studien war es
daher sowohl die Mechanismen inflammatorischer und oxidativer Prozesse nach
Partikelexposition zu untersuchen als auch deren Verbindung zueinander
aufzuklären. Dabei wurden Flugstaubpartikel aus einer
Hausmüllverbrennungsanlage (MAF02) als Modell für verbrennungsgenerierte Umweltpartikel
eingesetzt. Da Makrophagen, neben Epithelzellen, wichtige Zielzellen der Lunge
repräsentieren, wurden zur Untersuchung partikel-induzierter Effekte die murine
Makrophagen-Zelllinie RAW264.7, primäre humane Makrophagen aber auch ein aus
Makrophagen und Epithelzellen bestehendes Kokultursystem verwendet.
Flugaschepartikel induzierten in
Makrophagen oxidativen Stress, welcher durch die Generierung von reaktiven
Sauerstoffspezies, die Bildung und Freisetzung von 8-Isoprostan, durch eine
Erhöhung des intrazellulären Glutathion-Gehaltes, durch eine Akkumulation des
Transkriptionsfaktors Nrf2, aber auch durch die Induktion des antioxidativen
Hämoxygenase-1 Proteins charakterisiert war.
Des Weiteren wurde, als wichtiger Teil der
inflammatorischen Antwort, die Freisetzung der Arachidonsäure und deren
Metabolisierung zu Prostaglandin E2, ein Vertreter inflammatorischer
Mediatoren, nach Partikelbehandlung gezeigt. In Korrelation erfolgte dabei ein
Anstieg des Cyclooxygenase-2 Proteins. Interessanterweise konnte in einem
realistischeren Kokultursystem mit Makrophagen und Epithelzellen eine synergistisch
erhöhte Arachidonsäurefreisetzung im Vergleich zur jeweiligen Monokultur
beobachtet werden. In Makrophagen zeigte die Mobilisation der Archidonsäure
eine Calcium-Abhängigkeit, was durch den Einsatz der Calciumchelatoren BAPTA/AM
und EGTA belegt wurde. Ferner wurde anhand von Inhibitor-Versuchen
demonstriert, dass die Flugasche-induzierte Freisetzung der Arachidonsäure vom
ERK1/2 und JNK1/2, aber nicht vom p38 MAPK (mitogenaktivierte Proteinkinase)
Signalweg abhängig ist. Ausgehend von dieser Beobachtung konnte auf
Proteinebene die mit der Aktivierung verbundene Phosphorylierung der ERK1/2 und
der JNK1/2 nachgewiesen werden. Des Weiteren bewiesen Studien mitspezifischen
Inhibitoren eine Beteiligung der zytosolischen Phospholipase A2,
jedoch nicht der sekretorsichen und calcium-unabhängigen Phospholipase A2,
an der Flugasche-induzierten Arachidonsäuremobilisation. Die Fähigkeit von
MAF02 Partikeln oxidativen Stress zu induzieren und Signalwege, die den Arachidonsäuremetabolismus
betreffen, zu aktivieren korrelierte mit der gesteigerten Aufnahme von Partikeln
in das Zytosol von Makrophagen. Dabei lagen die Partikel sowohl einzeln als
auch in Membraneinschlüssen im Zytosol der Makrophagen vor.
Interessanterweise ließ sich die
Phosphorylierung von ERK1/2 und JNK1/2 durch den Einsatz des Antioxidanzes,
N-Acetylcystein, deutlich reduzieren. Darüber hinaus erfolgte eine
N-Acetylcystein-abhängige Inhibierung der Arachidonsäurefreisetzung, woraus
erneut geschlossen wird, dass die Aktivierung von ERK1/2 und möglicherweise
JNK1/2 an der Arachidonsäurefreisetzung beteiligt sind. Die MAF02-induzierte
Induktion der Cyclooxygenase, der Hämoxygenase-1 und die Akkumulation von Nrf2
in der Zelle ließen sich ebenfalls durch NAc hemmen.
Zusammenfassend betrachtet belegen diese
Studien, dass Flugstaub nach intrazellulärer Aufnahme inflammatorische Prozesse
durch die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies initiiert, was zu einer Aktivierung
von Signaltransduktionskaskaden und zu einer verstärkten Expression
antioxidativer und inflammatorischer Gene führt. Dabei bewirkten zelluläre
Interaktionen von Makrophagen und Epithelzellen eine verstärkte Reaktion in
Bezug auf die Arachidonsäuremobilisierung nach Flugstaubbelastung. Somit
scheint zelluläre Kommunikation entscheidend zur Entwicklung von
partikel-induzierten Erkrankungen beizutragen.
Particle exposure of cell cultures to study the role of lipid
mediators during the inflammatory response
Abstract
Acute exposure to elevated levels of environmental
particulate matter (PM) is associated with increasing morbidity and mortality
rates. These adverse health effects, e.g. culminating in respiratory and
cardiovascular diseases, have been demonstrated by a multitude of
epidemiological studies. However, the underlying cellular and molecular
mechanisms are not yet completely understood.
The main focus of the present in vitro study was to understand the
interaction of the generation of reactive oxygen species (ROS) with the
induction of antioxidant and inflammatory responses. Incinerator fly ash, also
called MAF02, was used as a model for combustion derived particulate matter. As
macrophages, besides epithelial cells, are the major targets of particle
actions in the lung murine RAW264.7, primary human macrophages as well as a
coculture system with RAW264.7 macrophages and LA-4 epithelial cells were
investigated.
The interaction of fly ash particles with macrophages induced oxidative
stress, indicated by ROS-generated H2DCF oxidation, formation and
release of 8-Isoprostane, increased intracellular glutathione contents,
elevated amounts of the transcription factor Nrf-2 and the antioxidative
protein heme oxygenase-1.
As part of cellular inflammatory responses I could observe an increasing
amount of free arachidonic acid, cyclooxygenase-2 protein and prostaglandin E2.
Interestingly in a co-culture system consisting of macrophages and epithelial
cells the mobilisation of arachidonic acid was enhanced due to a synergism of
these two cell types. The arachidonic acid liberation depends on an elevated
intracellular calcium concentration since the pre-treatment of macrophages with
calcium chelators (BAPTA/AM and EGTA) prevented the MAF02-mediated enhancement
of free arachidonic acid. Additionally, arachidonic acid mobilisation was
blocked significantly by an ERK1/2 pathway-specific inhibitor, while inhibition
of p38 MAPK (mitogenactivated protein kinase) had no effect. In correlation the
ERK1/2, but not p38 MAPK phosphorylation/activation was observed. Using the
specific inhibitor for phospolipases A2 arachidonic acid liberation
was shown to be dependent on the cytosolic phospholipase A2, but not
on the secretory and calcium-independent phospholipase A2. The
ability to induce oxidative stress and several signallingpathways was related
to the uptake of MAF02 in macrophages as demonstrated by the transmission
electron microscopy.
Interestingly pre-treatment of macrophages with N-Acetyl-cysteine (NAc)
blocked the MAF02-induced ERK1/2 and JNK1/2 activation. Furthermore, the
increase of free arachidonic acid was reduced in a NAc-dependent manner,
indicating an involvement of ERK1/2 and JNK1/2 MAPK signalling pathways in
arachidonic acid liberation. NAc had also a reducing effect on the
MAF02-generated up-regulation of Cyclooxygenase-2 and heme oxygenase-1 protein
as well as the accumulation of Nrf2 in the cytosol of macrophages.
In conclusion, after particle uptake one of the primary mechanism
initiating inflammatory processes by incinerator fly ash particles seems to be
the generation of ROS, which trigger the activation of downstream signalling
and gene expression. Focusing of arachidonic acid mobilisation, the co-culture
system with macrophages and epithelial cells was more sensitive in comparison
to mono-cultures of the cell lines. These results confirm that intercellular
communications play an important role in the pathogenesis of particles-induced
diseases.
VOLLTEXT
BIBLIOTHEK